… alles für den Club, Genossen?! Verantwortung übernehmen!

Genossenschaft - die richtige Idee?Vorwort: mit diesem Beitrag möchte ich mich konstruktiv und kritisch mit dem Thema „Genossenschaft“ auseinandersetzen.

Im Rahmen des Bürgerforums am 17.10. wurde unter anderem die Frage diskutiert, ob und wie eine Investorenmehrheit mobilisiert werden könnte. Mehr noch: es wurde als “historischer Fehler” bezeichnet, das sich die politischen Gremien NICHT mit einer solchen Finanzierungsvariante beschäftigt haben. Die Gründung einer Bürgergenossenschaft scheint der Bürgerinitiative ein Lösungsweg zu sein; er führt jedoch ins Leere.

“Was ein Großer nicht schafft, das schaffen viele Kleine!“ – so könnte die Überschrift zu den folgenden Gedanken lauten. Darin liegt viel Wahres und ich bin ein Fan dieses Ansatzes. Varianten dazu kenne ich (als gelernter Bänker) einige im Bereich der Finanzierungen: neben der Genossenschaft existieren noch die üblichen Kapitalgesellschaften (z. b. AG, GmbH), der Verein, ein Fonds, neuerdings Crowdfunding, sogenannte „(Finanzierungs-)Clubs“, die Stiftung oder auch das gute alte Spendenkonto. …

Welche Form ist nun die Richtige? Eine Abwägung von Vor- und Nachteilen wäre für die potenziellen Wähler der Bürgerinitiative wichtig; schließlich werden SIE die ersten Ansprechpartner für eine Einzahlung sein.

Wenn also die Genossenschaft angestrebt wird und möglichst viele mitmachen sollen, wird die Anteilsgröße vorausssichtlich recht klein gewählt, z.B. 500€. Nebenrechnung in gerundeten Zahlen: Bedarf 9,5 Mio. € = 19.000 Anteile. Woher sollen die 19.000 Genossen kommen?

Vielleicht gibt jemand mehr als nur 500€ meinen Sie? Vermutlich nicht, denn für die Einzahlung der 500€ erhält jeder Kapitalgeber eine Stimme in der Mitgliederversammlung. Wenn jemand mehr einzahlt, erhält er allerdings ebenfalls nur eine Stimme; mehr Geld bedeutet hier also nicht „mehr Einfluss“ in Abstimmungen. 19.000 zu finden ist zu schwierig? Dann eben 9.500 Menschen, die 1.000€ geben? Oder 4.750, die 2.000€ geben?

Wenn sich nicht so viele finden lassen, leiht man sich das fehlende Geld eben von einer Bank – einfach ein Darlehen aufnehmen, die Zinsen sind niedrig. Stimmt, sie sind niedrig, aber sie müssen bezahlt werden. Tag für Tag, Jahr für Jahr. Es muss spätestens dann zwingend ein jährlicher Überschuss erwirtschaftet werden, wenn ein Kredit aufgenommen wird. Damit die Bank immer Ihre Raten bekommt, müssen sich die Genossen im schlimmsten Fall auch zum „Nachschuß“ verpflichten. Falls die Genossenschaft also schlecht wirtschaftet, muss eventuell weiteres Geld nachgelegt werden.

A prospos „wirtschaften“: wer sollte die Speicher-Genossenschaft leiten? Ein Vorstand muss her, der die Verantwortung übernimmt. Verantwortung bedeutet: 1) Bauherr eines 9,5Mio.-Projekts zu sein, 2) gegenüber 19.000 (9.500 / 4.750) Genossen Entscheidungen zu vertreten und zu rechtfertigen, 3) die richtigen Antworten auf Fragen im Rahmen des Bauvorhabens ad hoc und zeitnah beantworten zu können, 4) Jahr für Jahr mindestens eine +/- 0 Rendite erwirtschaften, 5) Jahresabschlüsse unterschreiben, 6) Ansprechpartner für die Bank sein, 7) Wirtschaftspläne erstellen, … Das wird kein Ehrenamt sein. Die Bürgerinitiative hat im Bürgerforum die Aussage getroffen: „Wir können diese Verantwortung nicht übernehmen.“. Also: wer sollte es machen? Gibt es nicht wenigstens einen Vorschlag?

So scheint die Idee der Genossenschaft zunächst mehr Fragen als Antworten zu geben. Zwar ist jeder Genosse mit „nur“ 500€ dabei, aber vielleicht wird es per Nachschuss mehr. Eine Rendite muss das Objekt auch abwerfen und jemand muss den Hut aufhaben. Es gibt viel zu tun … wer fängt damit an?

Anmerkung: vielleicht ist es ehrlicher, Spender zu suchen; dann weiß der Geber definitiv: das Geld fließt ins Wunschprojekt, es ist weg und kommt nicht wieder, es gibt keine Rendite und keine Mitbestimmung. Aber halt: ein Manager der Spendengelder wird ebenso gebraucht wie ein Vorstand bei einer Genossenschaft. Löst also ebenfalls nicht alle Fragen …

Ich sage nicht, dass die Aufgabe unlösbar ist, aber es braucht einfach einige Zeit, diese Hausaufgaben zu erledigen. Es braucht Entscheidungen. Es braucht Entscheider. Wenn die Bürgerinitiative die Genossenschaft (oder eine andere Gebergemeinschaft) ins Spiel bringt – ist es zuviel verlangt, eine Vorab-Prüfung dieses eigenen Vorschlags unter Abwägung von Alternativen zu erwarten? Der Speicher-Fan braucht darauf eine Antwort!

Da es offensichtlich keine sinnvolle Antwort auf die immer wiederkehrende Finanzierungsfrage gibt und in annehmbarer Zeit geben kann und da sich niemand in die Verantwortung begeben will, ist auch hier länger Stillstand angesagt, wenn der Speicher bleibt.

PS: auf Wunsch chatte ich gerne mit Ihnen zu diesem Thema oder schreiben Sie mir IHRE Fragen: info[at]faktencheck-speicher.de